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unpodizucchero
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Stoff, der süchtig macht

12.04.2008


Italo-Barde Zucchero in der Stuttgarter Liederhalle

Von Ingo Weiß


Stuttgart - Bei seinem „Fly“-Konzert in Stuttgart im Mai 2007 machte Zucchero gleich drei „Gesichter“: das eines Überheblich-Arroganten, das eines Dr. Jekyll & Mr. Hyde und das eines Cantautore, eines wunderbaren Liedermachers. Bei seinem neuerlichen Gastspiel in der fast ausverkauften Liederhalle zeigte er sein wahres Gesicht: das eines brillanten Dealers. Zucchero verkauft Stoff, der süchtig macht. Dass sein „All the Best“-Verschnitt keine hundertprozentig reine Ware enthielt, weil er in weiten Teilen mit dem vor einem Jahr identisch war, war den „Zucker“-Abhängigen egal. Sie sogen die high machende Mischung aus erdigem Rock, Blues und Soul angloamerikanischer Prägung begierig in sich auf, bis der Rauschzustand erreicht war.


Ganz in seiner Musik versunken
Und der Stoff von Adelmo Fornaciari alias Zucchero entfaltete diesmal sehr schnell seine teuflisch gute Wirkung. Ein goldumrahmter Barock-Spiegel, der als Videoleinwand diente, sowie ein mit rotem Samt bespannter Thron-Sessel reichten als Bühnenbild aus, dazu einschmeichelnde Hymnen wie „Occhi“ und „I won‘t let you down“, die der schwarz behütete, bizarre Kauz einem König gleich erneut im Sitzen zelebrierte. Während seiner Au­dienz schien der 52-Jährige der Welt selbst entrückt und ganz in seiner melodiösen Musik versunken. Diese Intensität steckte sein Publikum an, das den melancholischen, freilich mit viel Druck gespielten Balladen ergriffen lauschte.

Dann wurde der Thron weggetragen, der Norditaliener aus Roncocesi stand auf, und fortan rockten er und sein fünfköpfiger Hofstaat den Beethovensaal. Zucchero röhrte rau und kraftvoll, der Bassist pumpte gewaltig, der Schlagzeuger trommelte filigran, der Gitarrist spielte virtuose Riffs, der Keyboarder ließ seine Hammond-Orgel schmachtvoll jammern, und mit seiner dunkelhäutigen Gitarristin lieferte sich Zucchero vokale Duelle, die in markerschütternden Höhenflügen endeten. Virtuosität und Energie vereinigten sich zu einem souveränen Entertainment. Einer Flutwelle gleich überrollten sie den Saal, mit Songs wie „Bacco Perbacco“, „Cuba libre“, „Il volo“ und „Diamante“. Erst da ließ sich Zucchero erstmals zu einer Kontaktaufnahme mit dem Publikum herab. Aber mehr als ein „Stoccarda“ (Stuttgart) an die wogende und tanzende Masse brachte er nicht heraus.

Im weiteren Verlauf wurde dann mehr und mehr klar, dass Zuccheros Gassenhauer keine ausgefallenen Showeffekte brauchen, um ein Publikum mitreißen zu können. Geschmackvolle Stroboskop-Lichteffekte waren das höchste an Zugeständnissen. Zu „Baila“ stiegen drei Bläser auf die Bühne, und fortan kreierten die acht Musiker eine hochexplosiv-bebende Mischung, die dank des überaus kernigen, stets glasklaren Sounds auch in jeder großen Fußballarena Bestand hätte. Zucchero verkörperte dazu den hart arbeitenden Handwerker, der nicht seine lästige Pflicht gegenüber einem zahlenden Publikum erfüllte, sondern in Stücken wie „Everybody got to learn sometime“ von The Korgis oder dem barocken „Nel cosi blù“ erkennbar Selbsterfüllung fand. Und egal ob leise oder laut, schnell oder langsam, Dur oder Moll: Die aufgebaute Spannung ließ er keinen einzigen Moment abfallen. Er servierte an diesem Abend jede dramatische Spielart, und nicht nur gebürtige Italiener goutierten die facettenreiche Mixtur aus italienischen Canzoni, britischer Popformel und amerikanischen Blueswurzeln mit süßlicher Würze. Mit „Libidine“ schließlich erreichte der Meister den Gipfel der schwül-warmen Emotionen, zu denen die Gitarristin ein heißes Solo abfeuerte, bevor das fulminante „Diavolo in me“ mit verführerisch aufheulenden Gitarren das Konzert beschloss.

Für vier Zugaben und ohne Hut kehrte Zucchero zurück, der sich mit dem Paul Young-Duett „Senza una donna“, seinem wohl bekanntesten Stück, sowie der Hommage „Miserere“ selbst krönte. Zu „Miserere“ wurden Stimme und Originalaufnahmen des verstorbenen Luciano Pavarotti einge­spielt. Stehende Ovationen waren der Lohn. Einziger Wermutstropfen in einem überragenden Auftritt: Den Evergreen „You are so beautiful“ von Joe Cocker, mit dem Zucchero das Konzert hätte beenden sollen, strich er kurzerhand und aus unerfindlichen Gründen.



http://www.ez-online.de/lokal/kultur/schaufenster/Artikel1577599.cfm

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